Mit dem Lean Canvas zum kundenzentrierten Geschäftsmodell

Um eine umfassende Nutzerzentrierung zu erzielen, muss das Geschäftsmodell dahingehend ausgerichtet sein. Der Lean Canvas hilft dabei.
Lena Kölmel
Oktober 7, 2021

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Kundenzentrierung ist in aller Munde – und das zu Recht! Was sich dahinter verbirgt und warum diese so relevant ist, kannst du in unserem Artikel „Mit Kundenzentrierung zum relevanten Angebot“ lesen. In diesem Artikel geht es darum, wie sich die Fokussierung auf den Kunden mit Hilfe der Lean Canvas von Grund auf im eigenen Geschäftsmodell abbilden lässt. 

Erstellung eines Geschäftsmodells

Ganz grundsätzlich beschreibt ein Geschäftsmodell die Art und Weise, wie ein Unternehmen Gewinne erwirtschaftet. Es gibt verschiedene Tools und Methoden, die bei der nutzerzentrierten Ausrichtung des Geschäftsmodells helfen können. Dazu gehören die grundlegende Implementierung von Design Thinking als Mindset und Arbeitsweise sowie die Arbeit nach dem Prinzip des Double Diamond. Die wohl bekanntesten Werkzeuge in diesem Zusammenhang sind sicher der Business Model Canvas sowie der Lean Canvas. Beide helfen bei der strukturierten Beschreibung und Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells. Durch die systematische Betrachtung aller zentralen Aspekte einer Geschäftsidee, lassen sich Lücken leicht identifizieren und schließen.

Unterschied: Business Model Canvas und Lean Canvas

Auch wenn beide Canvases die Bestandteile eines Unternehmens kurz und prägnant auf den Punkt bringen sollen, gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen Business Model Canvas und Lean Canvas: Der Business Model Canvas (BMC) wurde entwickelt um Geschäftsmodelle übersichtlich auf einer Seite darzustellen. Er eignet sich sowohl zur Analyse bestehender Geschäftsmodelle als auch zur Neuentwicklung. Er wird üblicherweise zusammen mit dem Value Proposition Canvas genutzt. Der Lean Canvas entstand im Rahmen des Lean Startup Ansatzes. Er bildet noch schlanker als der BMC Geschäftsmodelle ab, in dem er die Bedürfnisse der Zielgruppe fokussiert aber auch die Überprüfung von Angebot und Value Proposition von Anfang an berücksichtigt. Der Lean Canvas eignet sich so insbesondere bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, um diese von Anfang an auf die Bedürfnisse der Zielgruppe auszurichten.

»Life’s too short to build something nobody wants.«

 – Ash Maurya (Entwickler der Lean Canvas)

Lean Canvas bei XO

Auch wir arbeiten gerne mit dem Lean Canvas, eben weil er das Kundenbedürfnis so fokussiert. Aber sowohl für neue Geschäftsmodelle als auch zur Analyse der bestehender fehlte uns oft die Betrachtung zentraler Partner und Ressourcen. Diese sind aber häufig besonders relevant, um zu bewerten ob das Angebot überhaupt realisiert werden kann.

Aus diesem Grund haben wir den BMC und den Lean Canvas zunächst kombiniert und dabei gleich die Felder umsortiert. Auf diese Weise stellen wir, auch visuell den Kunden mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. In den angrenzenden Feldern wird das passende Angebot beschrieben und im äußersten Rahmen die wirtschaftlichen Aspekte, die zur Erstellung dieses Angebots nötig sind. Die veränderte Darstellung ermöglicht außerdem eine aus unserer Sicht logischere Abfolge der Themenbearbeitung und vermeidet ein gefühlt „wildes“ hin und her springen im Canvas.

Auf einen Blick

Ziel: Ein neues, kundenzentriertes Geschäftsmodell erarbeiten

Team: 1-6 Personen

Dauer: ca. 2 Stunden

Material: Lean Canvas-Template, Post-Its, Stifte

Für wen?

Der Lean Canvas leitet sich aus dem Lean Startup Gedanken ab – er eignet sich demnach ideal für junge Unternehmen. Aber auch etablierte Unternehmen können mit Hilfe des Lean Canvas ihr Geschäftsmodell analysieren und nutzerzentriert ausrichten.

Das Vorgehen

1. Zielgruppe & Probleme

Im ersten Schritt solltest du deine Zielgruppe abgrenzen und definieren. Außerdem gilt es, die Herausforderungen deiner Zielgruppe zu identifizieren, denen du mit deiner Lösung entgegensteuern möchtest. Bei der Formulierung deiner Kernzielgruppe kann dabei die Erstellung von Personas helfen.

2. Werteversprechen, Lösungen, Bestehende Alternativen & Einzigartiger Vorteil

Daraufhin definierst du das zentrale Werteversprechen, also den ganz konkreten Mehrwert, den dein Unternehmen dem Kunden liefern kann. Außerdem sammelst du zum einen erste (neue) Lösungsideen, also Ansätze, wie du das Problem lösen kannst. Zum anderen überlegst, welche bestehenden Alternativen es bereits gibt, die das Problem lösen könnten. Diese sind vielleicht noch nicht ideal geeignet, aber bieten interessante Entwicklungsansätze. Nun überlegst du dir noch, welchen einzigartigen Vorteil deine Lösung mitbringen soll und wie du dich mit deiner Lösung vom Wettbewerb abgrenzt.

3. Wichtigste Partner & Zentrale Ressourcen

Nachdem du erste Lösungsideen entwickelt und somit das Kernstück deiner Idee definiert hast, gilt es nun aus dieser Idee ein Geschäft zu machen. Überlege, welche Unterstützung du benötigst, um die Idee umzusetzen. Dazu zählen neben personellen Ressourcen, wie zum Beispiel wichtigen Partner:innen auch physische oder finanzielle Ressourcen.

4. Kanäle & Metriken

Außerdem musst du dir überlegen, wie und über welche Kanäle du mit deinen Kund:innen in Kontakt treten möchtest. Wo werden sie auf deine Lösung aufmerksam? Wie können sie sich mit dir austauschen? Wodurch erhältst du Kund:innen Feedback?
Abgesehen vom Feedback solltest du dir genau überlegen, wie du den Erfolg deiner Lösung messen kannst. Lege Kennzahlen fest, die deinen Zielerreichungsgrad gut widerspiegeln. Dadurch kannst du stets ablesen, wo du ggfs. eingreifen oder deine Performance steigern musst.

5. Kostenstruktur & Einnahmequellen

Zuletzt solltest du dir Gedanken über die Wirtschaftlichkeit deiner Lösung machen. Welche fixen und variablen Kosten fallen für dich an? Und wodurch nimmst du konkret Geld ein? Verspricht diese Gegenüberstellung ein rentables Geschäftsmodell?

Wichtig: Nachdem du all die Themenfelder ausgefüllt hast, tritt einen Schritt zurück und überfliege noch einmal den Canvas. Fällt dir noch irgendetwas ein, das du ergänzen möchtest? Wenn nicht, dann stellt dieses Template nun das Grobkonzept deines Geschäftsmodells dar! Bedenke dabei, dass der Lean Canvas den aktuellen Standpunkt deines Vorhabens widerspiegelt und stetig systematisch optimiert werden kann und sollte.

Wenn du auch der Meinung bist, dass die Neuanordnung der Felder in der Lean Canvas hilfreich ist, kannst du hier unser Lean Canvas Template herunterladen.

Fazit

Der Lean Canvas rückt deine Zielgruppe und deren Herausforderungen in den Mittelpunkt. Ausgehend von diesem Kern ist es also möglich ein kundenzentriertes Geschäftsmodell zu entwickeln und Lösungsideen schon in einem frühen Stadium hinsichtlich ihrer Relevanz zu untersuchen.
Die Auseinandersetzung und die präzise Formulierung des Geschäftsmodells helfen dir, deinen Unternehmensstandpunkt klar zu definieren und vom Wettbewerb abzugrenzen, für dein Alltagsgeschäft relevante Kennzahlen zu ermitteln und eine rundum stimmige Erfahrung für deinen Kunden zu schaffen. Die Definition des eigenen Geschäftsmodells ist somit die Grundlage für eine umfassende Nutzerzentrierung.

Wenn du Unterstützung in der Entwicklung eines neuen oder erweiterten Geschäftsmodells suchst, sprich uns gern an! Wenn du mehr zum Thema schlanke und nutzerzentrierte Produktentwicklung lernen möchtest, ist unser Lean Innovation Training genau das richtige für dich. Hier zeigen wir dir, wie du Ideen schneller, effizienter und aus der Kundenperspektive heraus gestalten kannst. Wir freuen uns auf dich!

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