Was ist Innovationskultur?

Eine gute Innovationskultur ist maßgeblich für die kontinuierliche Entwicklung von Innovation. 7 Faktoren sind dabei zentral.

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Wer sich mit der praktischen Umsetzung von Innovation beschäftigt, stößt irgendwann unweigerlich auf das Thema Unternehmenskultur. Denn wie wir schon in früheren Artikeln immer wieder beschreiben, scheitern Innovationen weniger an schlechten Idee oder Kreativitätsmangel. Sie scheitern im Unternehmen, an Strukturen, Prozessen und im Kern an einer Kultur, die Neues im Keim erstickt, anstatt es zu befeuern. Damit das nicht passiert, muss eine Kultur geschaffen werden, die innovationsfreundlich bzw. innovationsförderlich ist. Also eine gute Innovationskultur.

Innovationskultur – Definition

Aber was bedeutet Innovationskultur? Sie ist ein Aspekt der Unternehmenskultur und umfasst die internen Einstellungen und Werte, aber auch Strukturen und Prozesse, die für die Entwicklung von Neuheiten relevant sind.

Wenn es darum geht eine erfolgreiche Innovationskultur zu etablieren, spielen aus meiner Sicht sieben Faktoren eine zentrale Rolle:

  • Kreativer Freiraum
  • Purpose
  • Fokus
  • Ownership
  • Kollaboration
  • Relevanz
  • Ressourcen schonen

Betrachten wir die Faktoren im Detail:

1. Kreativer Freiraum

Im ersten Moment erscheint dieser Faktor vielleicht selbstverständlich. Wer kreativ sein möchte, braucht dafür Raum und Zeit. Kreativ sein unter Zeitdruck in uninspirierenden Räumen ist extrem schwer, bisweilen sogar unmöglich und macht vor allem keinen Spaß. Das schlägt sich auf die Qualität nieder.

Kreativer Freiraum bedeutet also zunächst mal Räume, die inspirieren und Kreativität fördern. Räume, die die Möglichkeiten geben etwas auszuprobieren, vielleicht auch ganz praktisch etwas zu bauen. Und es bedeutet, dass ich auch Zeit dafür habe. Zeit, mich durch neue Impulse inspirieren zu lassen. Zeit, etwas Neues zu lernen. Zeit, etwas auszuprobieren und zu experimentieren.

Aber kreativer Freiraum hört nicht bei Bastelstunden in Maker Labs, bunten Workshopräumen oder naturnahen Offsites auf. Es bedeutet auch, dass ich es zulasse, dass auch einmal „nichts“ herauskommt oder das etwas heraus kommt, sich aber später als nicht erfolgreich herausstellt. Gemeinhin wird dieser Aspekt als Fehlerkultur bezeichnet. Ich lasse zu, dass meine Mitarbeiter:innen Fehler machen ohne, dass das weitreichende Konsequenzen hat.

Mir geht dieser Begriff aber nicht weit genug. Es sollte nicht nur sichergestellt sein, bei einem Fehler keinen „auf den Deckel zu bekommen“. Bei Innovation geht es vor allem auch darum mutig zu sein, etwas zu wagen. Auch mal einen großen Fehler machen zu können. Vor allem dann, wenn man in Richtung disruptive Innovation schielt. Keine Disruption ohne Mut! Ich spreche daher gern von Mutkultur.

Kreativer Freiraum ist also Raum, Zeit und emotionale Sicherheit, die es mir erlauben mutig Neues auszuprobieren.

2. Purpose

Ein zweiter wesentlicher Grundpfeiler für eine erfolgreiche Innovationskultur ist der Purpose des Unternehmens. Ich bin im Artikel Innovationskultur entsteht durch Handeln bereits etwas ausführlicher darauf eingegangen, was ein guter Purpose ist und wie er dazu beiträgt, eine innovationsförderliche Kultur zu schaffen.

Im Kern geht es darum, allen Aktivitäten einen Sinn zu geben. Die Frage zu beantworten, warum bin ich heute morgen zur Arbeit gekommen. Dieser Sinn ist insbesondere wichtig, wenn es darum geht für das Unternehmen etwas Neues zu entwicklen. Der Purpose ist ein wesentlicher Antrieb bei Entwicklung von Innovation, denn um den Purpose dauerhaft zu erfüllen, muss ein Unternehmen sich beständig neuen Begebenheit anpassen. Also innovativ sein. Außerdem ist Purpose, das zeigen neuste Studien, ein wichtiger Faktor eines idealen Arbeitsumfeldes junger, kreativer Mitarbeiter:innen. Sie zu gewinnen und zu halten, trägt entscheidend zur Innovationskraft von Unternehmen bei.

3. Fokus

Neben dem Purpose als gemeinsame Basis im Unternehmen bildet die Vision den wichtigsten Orientierungspunkt für Mitarbeiter:innen. Die Vision gibt die langfristige Perspektive des Unternehmens vor und sorgt damit für eine Fokussierung auf das wesentlichste, langfristige Ziel. Diese Fokussierung ist wichtig, um erfolgreiche Innovation hervorzubringen. Sie ermöglicht ein Bündeln aller Ressourcen auf die wichtigsten Aktivitäten.

Damit dies auch ganz operativ gelingt, werden aus der Vision mittelfristige Ziele abgeleitet und von diesen wiederum kurzfristige Ziele, die die nächste Schritte vorgeben. Dabei ist es gar nicht so einfach, den Fokus immer zu behalten. Ablenkungen lauern an vielen Stellen. Eine fest etablierte Vorgehensweise wie etwa die Zieldefinition im Rahmen eines OKR-Prozesses (Objektiv & Key Results) hilft, die Ausrichtung immer wieder zu prüfen und ggfs. nachzujustieren.

4. Ownership

Beim Thema kreative Freiräume bin ich bereits darauf eingegangen, dass es für eine gute Innovationskultur wichtig ist, etwas auch mal ohne „Einmischung“ der Chefin auszutesten. Dieser Aspekt geht aber noch weiter. Eine Idee wird nur zu einem Produkt, wenn es Menschen gibt, die sich aktiv für die Umsetzung einsetzen. Das Zauberwort hier heißt Ownership. Mitarbeiter:innen müssen eine Idee zu ihrem eigenen Thema machen und es selbst vorantreiben wollen.

Dabei helfen zwei Dinge:

  1. Frühzeitig in den Entwicklungsprozess eingebunden werden bzw. als Ideengeber:innen von Anfang an dabei sein.
  2. Volle Verantwortung für das Thema übernehmen und zwar von Anfang bis Ende.

Gerade die Einbindung von Ideengeber:innen in den weiteren Umsetzungsprozess wird gern vernachlässigt. Da spinnen einzelne Personen oder auch ganze Innovationsteams neue Ideen und geben diese anschließend an eine Fachabteilung zur Umsetzung weiter. Nicht selten passiert mit der Idee dann einfach gar nichts und alle sind frustriert. Die Ideengeber:innen, weil ihre Idee im Sand verläuft und die Fachabteilungen, weil ihnen Ideen vorgesetzt werden, die sie jetzt auch noch abarbeiten müssen aber dazu keinen Bezug haben.

Um das zu vermeiden, werden in Kreativprozessen also idealerweise alle Stakeholder einbezogen. Vom Innovationsteam bis zur Fachabteilung. Anschließend ist es aber mindestens genauso wichtig, das eine Person zusammen mit einem ganzen Team die Verantwortung für die Umsetzung übernimmt. Und zwar idealerweise bis zum Ende, d.h. bis zum Launch und anschließenden Betrieb. Das schließt in meinem Verständnis auch Budgetverantwortung mit ein. Nur wenn ich als Team ein Budget zur Verfügung habe, kann ich wirklich selbstbestimmt und eigenverantwortlich handeln.

5. Kollaboration

Die Einbeziehung von verschiedenen Personen in den Innovationsprozess ist nicht nur ein Thema für Ownership. Grundsätzlich ist eine gelungene Zusammenarbeit ein Grundpfeiler für erfolgreiche Innovation und damit auch wichtig für eine gute Innovationskultur.

Diese Zusammenarbeit überschreibe ich gern als echte Kollaboration. Darunter verstehe ich in der einfachsten Form einen transparenten Austausch über alles, was an innovationsrelevanten Themen ansteht, welche Initiativen gestartet und welche Erkenntnisse daraus bisher abgeleitet wurden.

Darunter fällt aber auch, dass sich Projektteams interdisziplinär und bereichsübergreifend zusammenfinden. Das sich Projektteams gegenseitig unterstützen und dass es Möglichkeiten von Sparring und auch Mentoring gibt.

Welche konkreten Maßnahmen in einem Unternehmen geeignet sind, um diesen Aspekt abzubilden, muss individuell geklärt werden. Grundsätzlich aber geht es darum anzuerkennen, dass Innovation immer von einer gemeinsamen Arbeit profitiert. Dass neue Ideen auch immer auf bestehenden Ideen und Gedanken aufbauen und Innovation nicht im stillen Kämmerlein von wenigen Auserwählten erschaffen wird. Idealerweise werden hier verschiedenste Perspektiven und Positionen einbezogen und das gemeinsame Lernen ins Zentrum gestellt.

6. Relevanz

Dieser Aspekt wirkt auf den ersten Blick vielleicht gar nicht wie ein Kulturthema, sondern eher wie eine Grundvoraussetzung von Innovation an sich: Nur wenn mein Angebot, meine Innovation, relevant ist für meine Zielgruppe, wird sie erfolgreich sein. Leider ist auch diese wichtige Erkenntnis noch nicht allgegenwärtig. Kundenzentrierte Produktentwicklung ist in vielen Unternehmen noch nicht der Standard.

Deswegen gehört es aus meiner Sicht zwingend zum Thema Innovationskultur diesen Faktor zu etablieren. Dazu gehört:

  • die regelmäßige Auseinandersetzung und Beschreibung der eigenen Zielgruppe
  • die Entwicklung von Produkten, Services, Kommunikation usw. aus Kundenperspektive
  • die Überprüfung von Ideen anhand von Tests mit der Zielgruppe und
  • die regelmäßige Erfassung von Kundenfeedback und Kundenzufriedenheit

In einer guten Innovationskultur sind die Wünsche, Bedürfnisse und Probleme meiner Kund:innen ein zentrales Element und sichern so die Relevanz des Angebots und letztlich des Unternehmens.

7. Ressourcen schonen

Und schließlich sind alle Aktivitäten in einem Unternehmen am Ende abhängig von den verfügbaren Ressourcen – Zeit und Geld. Gerade Innovationsprojekte scheitern dabei häufig am Zeitfaktor. Gleichzeitig wird zu viel Geld an den falschen Stellen investiert. Was sich wiederum negativ auf zukünftige Projekte auswirkt, die dann leider häufig weniger Geld zur Verfügung haben.

Damit Innovationsprojekte nicht an mangelnden Ressourcen scheitern ist es wichtig, möglichst ressourcenschonend zu arbeiten und diese Herangehensweise im Rahmen der Innovationskultur zu etablieren. Eine geeignete Maßnahme ist insbesondere das sehr frühe Testen von neuen Ideen, das ohne großen Zeitaufwand und Kosten erfolgen kann. Ebenso wichtig ist die Festlegung objektiver Bewertungsmaßstäbe, anhand derer bspw. die Relevanz aber auch der Erfolg einer Idee bemessen wird. Viel zu oft entscheiden in Innovationsprozessen Meinungen und Geschmäcker, wo Daten sinnvoll wären.

Die Logik des Lean Manufacturing und im Speziellen der Ansatz des Lean Startup geben hier eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, um im ersten Schritt möglichst Ressourcen schonend zu lernen (Lean Startup) aber auch im zweiten Schritt „Wert ohne Verschwendung zu schaffen“ (Lean Manufacturing).

Fazit

Unternehmen, die kontinuierlich Innovationen hervorgingen wollen, um sich den rasanten Veränderungen unserer Zeit anzupassen, kommen an einer Etablierung einer guten Innovationskultur nicht vorbei. Die beschriebenen Faktoren geben dabei eine Orientierung, in welche Ecken man schauen sollte. Ganz grundsätzlich geht es um das Verständnis, dass Innovation eine Mischung aus Kreativität und glücklicher Zufall ist. Wobei sich beides provozieren lässt. Es müssen nur entsprechende Grundlagen geschaffen werden. Und wenn dann noch konsequent die Umsetzung von innovativen Ideen bis zum Ende mitgedacht wird, kann man von Innovationskultur sprechen.

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