Digitales Prototyping: Was ist das? Und wie geht das?

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist es, Ideen und Konzepte in digitale Prototypen zu übersetzen und zu testen. Wie das geht und warum das sinnvoll ist, erkläre ich hier.
Susanne Harnisch
Januar 28, 2019

Je nach Branche gibt es etwas unterschiedliche Ansichten davon, was ein Prototyp ist und was er können muss. Und dementsprechend auch, was Prototyping bedeutet. Ganz allgemein ist Prototyping der Prozess zur Veranschaulichung der Idee und Funktionsweise eines Produktes oder Services. Angefangen bei einer ersten einfachen Version erfolgt im Prototyping die schrittweise Annäherung an ein fertiges Endprodukt.

Im Verlauf einer Produktentwicklung treten permanent Fragen auf, die mithilfe eines Prototypen geklärt werden können. Ziel des Prototypings ist es, möglichst früh Feedback zum Produkt einzuholen und dieses direkt in die weitere Entwicklung einfließen zu lassen.

Weitere Details zu Arten und Anwendungsbereichen von Prototypen bekommst du im Video:

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Was ist ein digitaler Prototyp?

Ein digitaler Prototyp ist ein visuell hochwertiges Modell, mit dem du die wesentlichen Funktionen eines Produktes in einem finalen Look & Feel präsentieren kannst. Das können sowohl detaillierte Designentwürfe, interaktive Click Dummies oder Grafikanimationen sein. Digitale Prototypen eignen sich vor allem für den Test mit Endkunden, aber auch zur Präsentation bei Vorständen oder Investoren.

Am besten eignen sich diese Protoypen natürlich zum Test von digitalen Produkten. Aber auch physische Produkte oder Services können abgebildet und so sehr schnell getestet werden.

Wie baut man einen interaktiven Click Dummy?

Mit digitalen Click Dummies wird ein zukünftiges digitales Angebot getestet. Sie bieten die Möglichkeit zu prüfen, ob dein Nutzer die geplante Interaktion versteht und sie intuitiv durchführt. Oder eben nicht. Durch den Test an der klickbaren Vorlage siehst du, ob sich der Nutzer wie geplant durch die App bewegt, ob er an den richtigen Stellen in deinem Sinne interagiert oder ob er an bestimmten Stellen hängen bleibt.

Um einen Click Dummy zu bauen, brauchst du zuerst eine konkrete Vorstellung davon, was dein Produkt ist und wie es aussehen soll. Beachte dabei diese drei Fragen:

  • Welche Aufgabe soll das Produkt für deinen Nutzer lösen?
  • Wie löst das Produkt diese Aufgabe?
  • Was sind seine Kernfunktionalitäten?

Im ersten Schritt der Entwicklung bist du am besten noch nicht digital unterwegs. Erstelle eine Ideenskizze mit ein bis drei gezeichneten Screens als Vorlage.

Konzentriere dich auf wenige spitze Thesen pro Prototyp

Beachte, dass du mit einem Prototypen nicht den ganzen Funktionsumfang eines Produktes testen kannst. Überlege dir spätestens jetzt, welche deine Kernfragen sind, die du mit einem späteren Nutzertest klären möchtest. Konzentriere dich auf wenige spitze Thesen pro Prototyp.

Wenn du deine Testfragen definiert hast, geht es im nächsten Schritt an den Aufbau des Prototypen. Lege zunächst fest, welche Ansichten deines digitalen Produktes du benötigst. Welche Interaktionen müssen möglich sein und welche nicht? Es gilt: Weniger ist mehr, um den Fokus nicht zu verlieren.

Baue nur so viele Ansichten und Interaktionen ein, wie du auch wirklich brauchst, um deine festgelegten Fragen zu beantworten

Halte alle Ansichten und Interaktionen in einem Storyboard fest, um dir einen Überblick zu verschaffen. Baue nur so viele Ansichten und Interaktionen ein, wie du auch wirklich brauchst, um deine zuvor festgelegten Fragen zu beantworten. Verliere dich dabei nicht in Details, da es gut sein kann, dass am Ende alles verworfen wird, weil es nicht funktioniert hat. Achte dennoch darauf, dass der Prototyp realistisch wird, um die Illusion eines fast fertigen Produktes beim Nutzer zu erzeugen. Mehr Details & Beispiele gibts im Video!

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Erstelle deinen Prototypen!

Im letzten Schritt übersetzt du deine Skizzen mithilfe einer Prototyping Software in einen testbaren Click Dummy. Es gibt verschiedene gute Anbieter: MarvelProto.ioInVisionFlinto oder Justinmind. Wir verwenden derzeit meist InVison, da es sich sehr gut mit Sketch oder Photoshop kombinieren lässt und Interaktionen so einfach und schnell zu erstellen sind. Probiere am besten selbst aus, welches Tool für dich und deine Ansprüche funktioniert.

Nun musst du nur noch alle Aufgaben in deinem Team verteilen. Du benötigst:

  • 1–2 Designer:innen, die Screens und andere Designelemente erstellen,
  • 1 Stitcher, der die Screens und alle Elemente in der Prototyping-Software zusammenfügt und die Interaktionen einbaut,
  • 1 Texter:in, der alle Textelemente verfasst und
  • 1 Materialsammler:in, die bzw. der alle zusätzlichen Materialien, wie Fotos oder ergänzende Informationen sammelt.

Während das übrige Team alle Elemente des Prototypen erstellt, beginnt der Stitcher damit, Vorlagen für die verschiedenen Ansichten im Prototyping-Tool anzulegen und diese schon einmal miteinander zu verknüpfen. Hierfür kann er zunächst Fotos vom Storyboard als Platzhalter verwenden. Wenn alle Designelemente und Inhalte bereit sind, können die Platzhalter schrittweise durch die finalen Elemente ersetzt und miteinander verknüpft werden.

Organisation ist alles!

Es gibt einen letzten wichtigen Punkt, den du während des Erstellprozesses beachten solltest: Bestimme jemanden aus dem Team oder eine weitere Person als Team Lead. Der Lead behält das Team im Auge, überprüft in regelmäßigen “Check-ins” den Fortschritt und hilft dabei, eventuelle Hürden aus dem Weg zu räumen. So wird die Erstellung des Prototypen kontrolliert und sichergestellt, dass du am Ende einen fertigen digitalen Prototypen hast, der bereit für den Test ist. Et voila!

In unserem YouTube-Kanal erscheinen übrigens jeden Monat Videos rund um die Themen innovative Produktentwicklung, Prototyping und Lean Innovation.

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